Sonntagsgedanken 10.05.2026

Unheilige Allianzen: Krieg statt Frieden. Wer rüttelt uns wach?

Vor einem Jahr trat mit Robert (Bob) Francis Prevost erstmals ein aus den USA stammender Papst vor die Weltöffentlichkeit: Friede euch allen. Mit der Namenswahl Leo XIV. knüpfte er bewusst an den Begründer der kath. Soziallehre Leo XIII. (Enzyklika rerum novarum) an. Doch die „neuen Angelegenheiten“ sah er nicht mehr in der Notwendigkeit, die soziale Not der Arbeiterschaft zu lösen, sondern im Eintreten für den weltweiten Frieden – bedroht durch autoritäre Machthaber wie die Ayatollas im Iran, Putin, Trump usw… Sie führen Kriege mit fake news, mit dem angeblichen Recht des Stärkeren. Sie missbrauchen die Bindung an Gott, um ihrer Missachtung des Völkerrechts, des Lebens und der Würde von Menschen, die als „Kollateralschaden“ nichts zählen, den Schein höchstmöglicher Legitimation zu geben. Am 9. Mai 2026 will Putin der Ukraine eine Waffenruhe gewähren, diesen Tag wieder als Sieg Russlands über die menschenverachtende Nazi-Rassen-Ideologie feiern. 

In diesen Tagen ist die ganze Welt am Abgrund im Konflikt um Atomanlagen, Öl, freie Fahrt durch die Straße von Hormus - mit Iran, USA, Israel … als Akteuren. Manche sagen: Zeigt nicht der Blick in die Natur ebenso wie in die Geschichte der Menschheit, wie gültig das Diktum vom Krieg als „Vater aller Dinge“ ist? 

Jesus aber weint über Jerusalem, ruft der Stadt zu: Wenn du doch erkannt hättest, was dir Frieden bringt (Lk 19,41f). Jesus wird Opfer des Hasses, der Intrigen, der Gewalt. Im Zusammenspiel der Tempelaristokratie mit der römischen Besatzungs-macht wird er als Unruhestifter und Gotteslästerer hingerichtet. Seinen verstörten Anhängern, die weglaufen oder sich verstecken (Türen zu), geht eine neue Wirklichkeit auf, als sie vom Auferstandenen das Wort hören „Friede sei mit euch“. Und ihnen aus der Bergpredigt wieder einfällt: „Selig, die keine Gewalt anwenden, selig, die Frieden stiften, sie sind Kinder Gottes“.

Wir sehen durch die Jahrhunderte leider auch im kirchlichen Bereich unheilige Allianzen und Missbrauch von Macht. Wir können aber auch leuchtende Spuren, Zeugen des Friedens lesen: Etwa Franz von Assisi, der in „Frau Armut“ eine Weggefährtin entdeckt und im Hören auf den Gekreuzigten lernt: Ich soll kein Gebäude, sondern die Kirche aus lebendigen Steinen wieder aufbauen. Ich darf mit allen Geschöpfen, sogar dem Tod, einen Lobgesang auf Gott anstimmen. Etwa neben Dietrich Bonhoeffer und Alfred Delp auch der österreichische Bauer Franz Jägerstetter. Im Januar 1938 rüttelt ihn ein Traum auf. Immer mehr Menschen steigen in einen Zug ein, aber eine Stimme sagt: „Dieser Zug fährt in die Hölle“. Franz steht vor der Entscheidung: Bin ich Nationalsozialist oder Katholik? Aus Gewissensgründen verweigert er am 1.3.1943 den Kriegsdienst und wird am 9.8.1943 wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ in Berlin-Tegel geköpft. Wie viele andere wusste er sich durch den Auferstandenen gebunden im gewaltlosen Einsatz für Frieden. Sie haben mit ihrem Festhalten am Ja zum Gott des Friedens eine für uns lesbare Spur gelegt. 

So werde ich vor die Frage gestellt: Nehme ich die Missachtung des Rechts durch unheilige Allianzen hin oder setze ich auf eine andere globale Allianz, abgekürzt M-R-G und F-F-F. 

M: Die Würde des Menschen ist unantastbar. 

R: Das humanitäre Völkerrecht gilt global. 

G: Gewaltverzicht ist der Weg zum Frieden. 

Freiheit, Friede, Freude. Das Ziel für jeden Menschen, jedes Volk ist ein Leben in Freiheit, auf der Grundlage eines gerechten Friedens. Auf der Basis der gewaltfreien Friedenspraxis von Jesus müssen die christlichen Kirchen – und darüber hinaus auch andere Religionen – sich darauf einigen und öffentlich vertreten: Nie wieder darf im Namen Gottes Krieg geführt und legitimiert werden. Dann kann überall aufgeatmet und Beethovens Ode an die Freude gesungen werden (am 7. Mai 1824 in Wien uraufgeführt als Vertonung eines Gedichtes von Friedrich Schiller). Sie kann auch heute die Sehnsucht wachhalten, dass in Abkehr vom Chaos, das Machtmissbrauch und Kriege anrichten, Menschen und Völker zu einem solidarisch-geschwisterlichen Miteinander finden. 

Bis die Welt soweit ist, braucht es dazu täglich kleine Schritte, Gebete, Schutz und Hilfe für viele Menschen, die Opfer von Hass, fake news, Terror und Krieg werden. Wenn der Blick auf die Weltpolitik Angst macht, braucht es Mut aus einer anderen Quelle. Daher lädt ab dem 13. Mai der Katholikentag in Würzburg mich und Dich ein: 

Hab Mut, steh auf!